…und doch beginnt alles mit Hierarchie…

Vor mehr als drei Jahren habe ich begonnen meinen Traum zu entwickeln – Freude in der Berufswelt.

Zum einen auf Grund meiner 25-jährigen Geschichte in einem System, welches kaum Freude zulässt und Menschen als Erfüllungsgehilfen benutzt. Und zum anderen, weil es doch darum geht, dass der Teil unseres Lebens, der die meiste Zeit in Anspruch nimmt, uns Freude machen soll und wir dann auch Freude zu unseren PartnerInnen, Kindern und Freunden mitbringen. Ich weiß, sehr romantisch – es geht aber um mehr.

Freude ist die Basis für Erfolg, das ist meine Überzeugung und sollte auch die Basis für unser Miteinander in unserer Gemeinschaft sein.

 

Begeistert von diesem Traum und dem Wunsch “to make the world a different place”, bin ich los spaziert – knapp 50 Jahre alt, also kein typischer Start-up oder social Entrepreneur – in jedem Coworking Space war ich der Älteste… :)

Ich wollte ein partizipatives, inklusives und auf Werten basierendes Unternehmen bauen. Wir unterstützen Menschen in ihren beruflichen Feldern, inklusive Neuorientierung. Wobei mir die Möglichkeit zu bleiben, das größere Anliegen ist. Jeder hat einen Platz in einem Unternehmen verdient, wo sie oder er eine Aufgabe erfüllt, die Sinn macht und ein positiver Beitrag ist. Alle Beteiligten an der Entwicklung leben Selbstverantwortung und sind in Ihrer Selbstwirksamkeit mit einem entsprechenden Selbstwert.

Gut, der Kontext war herausfordernd – die Unternehmensberatung – das wusste ich. Und doch dachte ich insgeheim, diese Menschen sind doch selbst auch als UnternehmerInnen aktiv und unterstützen Menschen und Unternehmen bei ihrer Transformation. 

 

Auf dieser Basis gab es sehr viele Begegnungen, Anfangs teilten wir diese Euphorie und wenn es dann um die Umsetzung ging war es doch wieder komplex und voller Irritationen. Ja, manchmal hat auch mir die Empathie in der Kommunikation etwas gefehlt. Aber es ging doch um mein Baby, meine Vision und dafür musste ich alles tun. Wie zum Beispiel 24/7 verfügbar sein und alles an Möglichkeiten mitnehmen. 

In dieser Pionierphase habe ich viel gelernt – besonders über mich und wie das so ist, wenn man sich für einen Purpose verantwortlich fühlt.

Viele Beziehungsebenen sind wieder auseinander gegangen oder auf Distanz, weil ich meines ja verteidigen musste und auch deshalb, weil ich im Prozess zu wenig klar und zu wenig deutlich war. Wenn viele Menschen mitsprechen, kommen viele Eigeninteressen ins Spiel und lassen ein konkretes auf den Boden bringen schwer zu… 2,5 Jahre voller Emotionen und Irritationen. Dann kam noch das gute Geld ins Spiel – wenn ich mich um die Entwicklung des Unternehmens gekümmert habe, konnte ich meine Zeit nicht dafür verwenden Geld zu verdienen. Was für ein Leben!

 

Und dann gab es einen spannenden Moment vor ca. 6 Monaten. Ich erkannte ich musste dorthin, wie wir alle aufgewachsen und erzogen wurden – Hierarchie. Ich erkannte plötzlich, dass ich es nicht jedem recht machen konnte und das gilt auch für Kunden. In gewisser Weise war das auch immer schon da mit der Aussage “du musst sagen, wie du es willst”.

Dieser Moment war ein sehr schmerzhafter – muss ich wirklich das woran ich glaube aufgeben…? Nein.

Es geht darum an diesem Punkt zu beginnen, wo wir stehen – Hierarchie. Am Ende des Tages sind all unsere Unternehmensformen so gebaut, dass eine oder einer sagt, wo es lang geht. Wir lernen das Zuhause und in der Schule und im Studium und jetzt komme ich mit Selbstverantwortung – das kann nur Irritation bedeuten. Jetzt ist es noch wichtig zu wissen, dass ich immer ein Problem mit Autoritäten hatte und niemand konnte mich über seinen Rang oder seine Position beeindrucken. So wollte ich eben nie sein und trotzdem habe ich begonnen zu sagen wie ich es möchte und wie ich es gut finde. Das schließt sehr inspirierende und anregende Gespräche nicht aus.

 

Am Ende heißt es für mich jetzt immer, wie fühlt es sich für mich an und wie bringt es mich meinem Bild näher. Das heißt auch, mich zu positionieren, was in unserem Kontext auch nicht so gerne gesehen wird. Das gilt es jetzt auszuhalten. 

 

Ja, mein Purpose lebt und ist stärker denn je – ich werde Freude in die Berufswelt bringen!

Ich werde ein Vorbild als Unternehmer sein – ein Vorbild für Partizipation, Inklusion und Diversität – und ich werde mich dabei weiterentwickeln!

Bei allem was ich tue werde ich an die Gesellschaft denken. Und ich werde diesen notwendigen Mut zum Tun aufbringen, so gut ich es eben kann.  Ich nehme mir die Zeit für diese Entwicklung, die es dafür braucht.

 

…Und jetzt braucht es viele, die Mitmachen… :)