Was in der neuen Arbeitswelt zählt

Gemäß dem aktuellen Bewerber-Index von Michael Page haben sich die Ansprüche bei Bewerbern in den letzten Jahren stark verändert. Gelockt werden können sie mit Firmenpension, Mobile Devices und einer privaten Krankenversicherung auf der monetären Seite. Wichtiger werden aber die Beziehung zum Arbeitgeber und zu Kollegen, gleich gefolgt vom Zugang zu Schulungen und der Anerkennung der persönlichen Arbeit. Neue Arbeitsmodelle, neue Arbeitszeitmodelle, neue Arbeitsbeziehungsmodelle, die dieses Bild bestätigen, gibt es reichlich – wie schaut die österreichische Arbeitswelt aber in der gelebten Praxis aus?  Wir befragen heute Experten im Bereich der Personalvermittlung, die beiden Geschäftsführer der Dopeg GmbH, über ihre Eindrücke. Birgit Sciborsky ist als Juristin und Mediatorin spezialisiert auf den Aufbau, die Optimierung und die juristische Begleitung von Personalprojekten. Jürgen Atzlsdorfer ist als Psychologe und Betriebswirt spezialisiert auf Beratung bei Personalprojekten. 

Transformationsmanagers: Welche Themen beschäftigen die österreichische Arbeitswelt gerade am meisten im Personalbereich? 

Dopeg: Der Fachkräftemangel ist derzeit das Schlagwort schlechthin. Der Markt ist in vielen Branchen leergefegt, und es ist schwierig, Menschen zu finden, die zu qualifizierten Positionen passen. Wir haben aber auch das Gefühl, dass ein Teil des Problems hausgemacht ist, weil das Potential, das sehr wohl vorhanden ist, einfach nicht gesehen wird. Es gibt eine sehr enge Suchschablone, in welcher die fachlichen Kompetenzen aufgelistet sind – gesucht wird nach dem perfekt dazu passenden Lebenslauf. Die Zielgruppe wird so künstlich eingeengt.

Die Lösung dieses Themas liegt im kompetenzbasierten Recruiting, in dem man neben den fachlichen Kompetenzen auch berücksichtigt, wo sich der Kandidat hin entwickeln kann und ob er auch mit seinen sozialen Fähigkeiten gut in das Unternehmen passen würde. Dafür fehlen aber in den meisten HR-Abteilungen die Ressourcen und auch der Mut, neue Wege zu gehen. Zusätzlich gibt es noch immer die klassischen Diskriminierungsgründe: Ethnische Herkunft, Geschlecht und Sexualität, Religion, Behinderung und an erster Stelle das Alter.

Welche Beobachtungen gibt es dazu im Bereich Generationendialog und dem Thema 50+?

Bei den Jungen sind zwei deutliche Tendenzen bemerkbar. Der Motivator Geld ist unbedeutender geworden, weil Arbeit nicht mehr das gewohnte Ausmaß an Sicherheit bedeutet und bietet. Viele sind aber auch von den Herausforderungen und der Komplexität der Arbeitswelt heillos überfordert und fallen gänzlich aus dem System. Außerdem wird bei den Jungen heute vorausgesetzt, dass…

 

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Autorin: Claudia Baumgartner, Talente-Expertin

Im Interview: Dopeg-Geschäftsführer Birgit Sciborsky und Jürgen Atzlsdorfer

Quelle: Börse Social Magazine